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Wenn der Marder die Kaskodeckung auf die Probe stellt

Kaum ein Tier ist bei Autofahrern so gefürchtet wie der Marder. Zu Recht, denn sein Besuch im Motorraum kann teuer werden. Aus meiner eigenen Berufserfahrung kenne ich Fälle, in denen ein Marderbiss am Kühlmittelschlauch zum Motorschaden führte, ein angebissener Unterdruckschlauch am Turbolader den Turbo ruinierte oder – wie erst kürzlich passiert – ein durchgebissenes Kabel zum Temperaturfühler des Partikelfilters dessen Regeneration außer Kraft setzte und in der Folge einen kostspieligen Schaden verursachte. Folgeschäden dieser Art waren und sind das eigentliche Problem, nicht der Biss selbst.

Artikel von: Akad.Vkfm. Mag. Thomas Leitner, Bakk., ÖVM Vorstand

Bei Elektroautos potenziert sich dieses Risiko erheblich und angesichts von rund 60.000 neu zugelassenen E-Fahrzeugen allein im Jahr 2025, einem neuen Rekordwert mit einem Marktanteil von 21,3%, wird dieses Thema im Kundengespräch immer relevanter. Der Kabelsatz eines E-Fahrzeugs ist deutlich komplexer und teurer als jener eines Verbrenners, und bei einem Biss in kritische Leitungen kann der notwendige Komplettaustausch, kombiniert mit Schäden an Steuergeräten oder der Ladeelektronik, rasch fünfstellige Beträge erreichen.

Was viele nicht wissen: Beim Tierbiss selbst – also dem zerbissenen Kabel oder Schlauch – besteht in den meisten österreichischen Kasko-Produkten kein Sublimit. Der direkte Schaden ist somit in der Regel vollständig gedeckt und hält sich mit durchschnittlich 400 bis 500 Euro auch in Grenzen.

Die Achillesferse ist der Folgeschaden und hier zeigt ein Blick in die Bedingungen der vier größten Kfz-Versicherer am österreichischen Markt ein sehr heterogenes Bild. UNIQA schließt sie in der Grunddeckung explizit aus und bietet über die optionale E-Deckung lediglich einen begrenzten Schutz: Folgeschäden am Antriebsakkumulator werden bis 15.000 Euro ersetzt, allerdings nur für Fahrzeuge bis zu 60 Monate nach Erstzulassung. Ähnlich verfährt die Allianz: Auch sie klammert Tierbiss-Folgeschäden aus, bietet jedoch für Elektro- und Hybridfahrzeuge einen Schutz an der Antriebsbatterie bis 5.000 Euro. Bei Generali sind Folgeschäden bis 2.000 Euro mitversichert, die Wiener Städtische deckt sie in der Grunddeckung bis 3.000 Euro, mit dem Elektro-/Hybridfahrzeug-Paket sogar bis 6.000 Euro ab.

ACHTUNG: es gibt am österreichischen Markt jedoch auch ein Produkt, bei dem nicht nur die Folgeschäden, sondern selbst der „normale“ Tierverbiss mit einem Sublimit stark begrenzt ist – und zwar bei der HDI, wo eine Deckungsobergrenze von 1.000 Euro einem möglichen Schadensbild von mehreren tausend Euro gegenübersteht. Auf Anfrage wurde uns von Seiten der Maklerabteilung jedoch mitgeteilt, dass an diesem groben Manko bereits gearbeitet wird und ein Produktupdate folgen soll – ein erfreuliches Zeichen, das zeigt, dass die Branche die Thematik ernst nimmt.

Die Empfehlung für die Praxis ist daher klar: Prüfen Sie bei Ihren Kaskoversicherungen, insbesondere für Elektro- und Hybridfahrzeuge, gezielt die Regelungen zu Tierbiss-Folgeschäden. In einem Markt, in dem die Unterschiede zwischen den Produkten so groß sind wie die beschriebenen, ist der genaue Blick ins Kleingedruckte wie immer die einzige verlässliche Grundlage für eine gute Beratung.

Quelle: https://www.asscompact.at/nachrichten/wenn-der-marder-die-kaskodeckung-auf-die-probe-stellt